17. April 2012

Ypern

1.

meine liebste in der ferne
eigentlich wollte ich dir nicht mehr schreiben
aber dann überkam mich dieses gefühl
als ich aufstand und vom stoff des zeltes berührt war
da hatte ich das bedürfnis es dir zu sagen
dass ich die berührung deiner hände so vermisse
und auch deine lieblichen küsse
denn am abend ist es alsbald so kühl

sag, was macht dein vater im lande
ich hörte er war bald zuhaus
so gern wäre ich an seiner stelle gewesen
aber ihm schien nichts gutes widerfahren zu sein
man schwieg sich mir gegenüber aus

so schließ ich doch jetzt schon mein schreiben
da draußen da ist ein tumult
ich muss glaub ich schon sehr bald eilen
und helfen den anderen in not
du weißt ja wie schwer es mir fiel
meine freunde daheim zu verlassen


2.

meine liebste in der ferne
deine letze nachricht betrübte mich so sehr
was bin ich doch für ein narr hier unter narren
wie lang muss ich denn hier noch verharren
dein vater ganz ohne arme und ohne beine
ich habs nicht gewusst und wünschte mich doch
an seines statt heim bald zu kehren

ich hab deine tränen gesehen
sie lagen sehr weich auf dem papier
ich hab sie geküsst und mir gewünscht
ich wäre ganz nahe bei dir
aber wir sind schon viel weiter gezogen
wir gehen immer nur stark voran
der marschall der will uns was lehren
bald geht hinter ihm nur noch ein mann

hier ist zumeist alles voll nebel
ich kann kaum deine worte lesen
ich stolper mehr als dass ich gehe
hier sieht man kein einziges tier
dabei stehen wir mitten im walde
und doch ists als wär niemand hier

und diese gespenstische stille
wird des nachts zu lautem geschrei
und wenn ich dann nachschauen will
ich schrie selbst, alle eilen herbei

3.


es gibt kein begräbnis hier draußen
wir laufen an kameraden vorbei
die sterben am boden und schreien
und greifen nach uns wie nach gott
letzt hab ich mit einem geredet
und ihn dabei nicht mehr erkannt
der rauch der stand so dicht vor augen
er war gleich beim reden verbrannt


du kannst dir ja ganz sicher denken
wie sehr ich mich hab gefreut
als meine freunde hier neben mir standen
da hab ich mein fortgang nicht mehr bereut
wir liefen gerade aufs freie felde
im vollen schritt stets nach vorn
die freunde in weißen gewändern
kamen langsam und mit offenen armen

ich freute mich so sehr sie zu sehen
und umarmte sie wie ein held
und lief nicht mehr sondern blieb stehen
da war ich allein auf dem feld
bald kniete und bald dann lag ich
und schaute zum himmel hinauf
da sah ich dich, die mutter, den vater
und machte die augen nicht auf

so sehr man auch an mir zerrte
ich wollte von all dem nichts mehr sehen
meine freunde aber die winkten mir
ich wollte mit meinen freunden gehn
verzeih meine worte sie schreibt jetzt
ein anderer auf weißem papier
dies wirst du wohl nicht mehr bekommen
ich bleibe wohl für länger hier

Marne

der schweiß tropft von der stirn
ich hämmer auf die schienen
tief in die erde rein
was haben wir zu verlieren
ein grüner apfel aus holz
ein holzwurm auf dem tisch
wir schweigen uns beide an
mein blut rauscht schon ganz stolz
wir haben den ganzen tag gearbeitet

eine narbe auf meiner stirn
ich lege sie in falten
wie weiße laken an der leine
ich kann nichts notieren
und lass den hammer fallen
am nächsten tag am tag
am abend hab ich nicht mehr viel zu tun
ein glas klemmt in meinen krallen

wir waren heute wieder draußen ledern
ein splitter hatte sich gestoßen
tief in meine hand 
es schwebten vor meinen augen
ganz viele weiß federn

(ein brief kommt)

ich achte stets auf wind und wetter
und esse suppe aus einer metallschale
und hör die tollsten geschichten
wir lachen freundlich über die städter
aber es wird abend und dann kommt heller rauch
ich seh ihn durch zwei fenster
wir sitzen in einem leeren haus
die aus der stadt die sehn ihn auch

am nächsten tag bin nur noch ich geblieben
und laufe durch die wälder und über felder
und da sind auch die schienen
die ich hab gelegt mit 1000 gleichen hieben
auf denen lieg ich jetzt und lausche
die anderen kommen so laut wie hundert welten
ich rolle mich auf den rücken und schau nach oben
ich beweg mich nur noch wie im rausche

dann stehn sie da und lachen mich fein aus die herren
ich kann sie aber gar nicht mehr erkennen
an nichts anderes denk ich noch als meine mutter
wie hat ich doch ihren apfelkuchen gern

(ein boot holt uns ab)

da waren plötzlich alle die ich kannte
freunde, frauen und verwandte
wir kamen alle in den himmel 
und einer war der gesandte
der gesandte sagte nichts und nichts
ich kannte nicht mal mehr sein gesicht
entstieg dem boot und wartete am ufer
das boot war schwer und sank, es starben alle
wir hatten den ganzen tag gearbeitet

16
Der Sturm der letzten Nacht.
Diarien
Discount Orgien
However:
Ich schlage auf.
Ich wollte mich nur mal melden.
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