Ypern
1.
meine liebste in der ferne
eigentlich wollte ich dir nicht mehr schreiben
aber dann überkam mich dieses gefühl
als ich aufstand und vom stoff des zeltes berührt war
da hatte ich das bedürfnis es dir zu sagen
dass ich die berührung deiner hände so vermisse
und auch deine lieblichen küsse
denn am abend ist es alsbald so kühl
sag, was macht dein vater im lande
ich hörte er war bald zuhaus
so gern wäre ich an seiner stelle gewesen
aber ihm schien nichts gutes widerfahren zu sein
man schwieg sich mir gegenüber aus
so schließ ich doch jetzt schon mein schreiben
da draußen da ist ein tumult
ich muss glaub ich schon sehr bald eilen
und helfen den anderen in not
du weißt ja wie schwer es mir fiel
meine freunde daheim zu verlassen
2.
meine liebste in der ferne
deine letze nachricht betrübte mich so sehr
was bin ich doch für ein narr hier unter narren
wie lang muss ich denn hier noch verharren
dein vater ganz ohne arme und ohne beine
ich habs nicht gewusst und wünschte mich doch
an seines statt heim bald zu kehren
ich hab deine tränen gesehen
sie lagen sehr weich auf dem papier
ich hab sie geküsst und mir gewünscht
ich wäre ganz nahe bei dir
aber wir sind schon viel weiter gezogen
wir gehen immer nur stark voran
der marschall der will uns was lehren
bald geht hinter ihm nur noch ein mann
hier ist zumeist alles voll nebel
ich kann kaum deine worte lesen
ich stolper mehr als dass ich gehe
hier sieht man kein einziges tier
dabei stehen wir mitten im walde
und doch ists als wär niemand hier
und diese gespenstische stille
wird des nachts zu lautem geschrei
und wenn ich dann nachschauen will
ich schrie selbst, alle eilen herbei
3.
es gibt kein begräbnis hier draußen
wir laufen an kameraden vorbei
die sterben am boden und schreien
und greifen nach uns wie nach gott
letzt hab ich mit einem geredet
und ihn dabei nicht mehr erkannt
der rauch der stand so dicht vor augen
er war gleich beim reden verbrannt
du kannst dir ja ganz sicher denken
wie sehr ich mich hab gefreut
als meine freunde hier neben mir standen
da hab ich mein fortgang nicht mehr bereut
wir liefen gerade aufs freie felde
im vollen schritt stets nach vorn
die freunde in weißen gewändern
kamen langsam und mit offenen armen
ich freute mich so sehr sie zu sehen
und umarmte sie wie ein held
und lief nicht mehr sondern blieb stehen
da war ich allein auf dem feld
bald kniete und bald dann lag ich
und schaute zum himmel hinauf
da sah ich dich, die mutter, den vater
und machte die augen nicht auf
so sehr man auch an mir zerrte
ich wollte von all dem nichts mehr sehen
meine freunde aber die winkten mir
ich wollte mit meinen freunden gehn
verzeih meine worte sie schreibt jetzt
ein anderer auf weißem papier
dies wirst du wohl nicht mehr bekommen
ich bleibe wohl für länger hier
meine liebste in der ferne
eigentlich wollte ich dir nicht mehr schreiben
aber dann überkam mich dieses gefühl
als ich aufstand und vom stoff des zeltes berührt war
da hatte ich das bedürfnis es dir zu sagen
dass ich die berührung deiner hände so vermisse
und auch deine lieblichen küsse
denn am abend ist es alsbald so kühl
sag, was macht dein vater im lande
ich hörte er war bald zuhaus
so gern wäre ich an seiner stelle gewesen
aber ihm schien nichts gutes widerfahren zu sein
man schwieg sich mir gegenüber aus
so schließ ich doch jetzt schon mein schreiben
da draußen da ist ein tumult
ich muss glaub ich schon sehr bald eilen
und helfen den anderen in not
du weißt ja wie schwer es mir fiel
meine freunde daheim zu verlassen
2.
meine liebste in der ferne
deine letze nachricht betrübte mich so sehr
was bin ich doch für ein narr hier unter narren
wie lang muss ich denn hier noch verharren
dein vater ganz ohne arme und ohne beine
ich habs nicht gewusst und wünschte mich doch
an seines statt heim bald zu kehren
ich hab deine tränen gesehen
sie lagen sehr weich auf dem papier
ich hab sie geküsst und mir gewünscht
ich wäre ganz nahe bei dir
aber wir sind schon viel weiter gezogen
wir gehen immer nur stark voran
der marschall der will uns was lehren
bald geht hinter ihm nur noch ein mann
hier ist zumeist alles voll nebel
ich kann kaum deine worte lesen
ich stolper mehr als dass ich gehe
hier sieht man kein einziges tier
dabei stehen wir mitten im walde
und doch ists als wär niemand hier
und diese gespenstische stille
wird des nachts zu lautem geschrei
und wenn ich dann nachschauen will
ich schrie selbst, alle eilen herbei
3.
es gibt kein begräbnis hier draußen
wir laufen an kameraden vorbei
die sterben am boden und schreien
und greifen nach uns wie nach gott
letzt hab ich mit einem geredet
und ihn dabei nicht mehr erkannt
der rauch der stand so dicht vor augen
er war gleich beim reden verbrannt
du kannst dir ja ganz sicher denken
wie sehr ich mich hab gefreut
als meine freunde hier neben mir standen
da hab ich mein fortgang nicht mehr bereut
wir liefen gerade aufs freie felde
im vollen schritt stets nach vorn
die freunde in weißen gewändern
kamen langsam und mit offenen armen
ich freute mich so sehr sie zu sehen
und umarmte sie wie ein held
und lief nicht mehr sondern blieb stehen
da war ich allein auf dem feld
bald kniete und bald dann lag ich
und schaute zum himmel hinauf
da sah ich dich, die mutter, den vater
und machte die augen nicht auf
so sehr man auch an mir zerrte
ich wollte von all dem nichts mehr sehen
meine freunde aber die winkten mir
ich wollte mit meinen freunden gehn
verzeih meine worte sie schreibt jetzt
ein anderer auf weißem papier
dies wirst du wohl nicht mehr bekommen
ich bleibe wohl für länger hier
